„Fayer Kochs Texte sind vor allem eines: zeitgenössisch im besten Sinne. Sie umkreisen Themen, die stark im Hier und Jetzt verankert sind, loten immer noch bestehende Tabus aus und untersuchen aktuelle Diskurse und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen.“
So schreibt Autorin und diesjährige Gastjurorin für das Leonhard-Frank-Stipendium Ulrike Syha in ihrer Laudatio. Fayer Koch wurde für die Spielzeit 2025/26 als Stipendiat:in für zeitgenössische Dramatik ausgewählt. Im Zuge dieses Stipendiums entstand Das Klima (no pressure), das am 9. April auf der Probebühne in der Regie von Albrecht Schroeder zur Uraufführung kommt. Dramaturgin Philine Bamberger hat Fayer Koch einige Fragen gestellt.
Wie kamst du gerade in Würzburg darauf, ein Stück zum Thema Klima und Klimakrise zu schreiben?
Zur Zeit, als ich das Stück geschrieben habe, hat mich die Perspektivlosigkeit der Klimagerechtigkeitsbewegung bewegt: Es gab Massenproteste von Fridays for Future, kollektive Aktionen des zivilen Ungehorsams von Ende Gelände und radikalere Aktionen von der Letzten Generation, aber keine dieser Aktionsformen hat es geschafft, wirklich etwas an der zerstörerischen Klimapolitik zu ändern. Ich habe in der Bewegung eine große Resignation wahrgenommen und auch eine Ideenlosigkeit – an welchen Aktivismus können wir noch glauben? Auf meinem ersten Spaziergang durch die Würzburger Innenstadt sind mir dann die Hochwassermarkierungen und die Flutschutztore aufgefallen. Ich hab mir überlegt: Was wäre, wenn der Meeresspiegel so weit gestiegen wäre, dass Würzburg am Meer liegt? Wie würde eine solche Situation unser Nachdenken über Aktivismus verändern? Wie könnte sich unser Verhältnis zur Natur entwickeln?
In deinem Stück treffen wir auf drei verschiedene Gruppen: Zwei CEOs, drei Aktivistinnen und eine vierköpfige Familie. Was unterscheidet die Gruppen voneinander?
Die Familie und die Aktivistinnen wollen einen Beitrag zur Lösung der Klimakrise leisten, haben aber Schwierigkeiten, sich selbst davon zu überzeugen, dass ihr Handeln mehr als nur Show ist. Sie glauben nicht mehr wirklich daran, einen positiven Beitrag leisten zu können, und machen sich gerade deshalb gegenseitig immer verzweifelter Mut. Bei den CEOs (die vielleicht als Einzige die Möglichkeit hätten, tatsächliche Veränderungen anzustoßen) ist die Nachhaltigkeit von vornherein nur Show. Trotzdem (oder gerade deswegen) haben sie am wenigsten Selbstzweifel.
Zentrales Thema in Das Klima (no pressure) ist das ewige Lamentieren über notwendige Konsequenzen und Maßnahmen zum Klimaschutz, ohne dass daraus Handlungen folgen. Wie spiegelt sich das in der Form deines Textes wieder?
Da es in dem Text stark um das Nicht-Handeln geht, gibt es auch im Text kaum handlungsorientierte Regieanweisungen. Stattdessen ersetzen die Figuren ihre Handlungen durch ein Sprechen über ihre Handlungen. Sie lachen nicht, sondern sagen: „Ich lache“, oder auch: „Ich mache etwas mit der Hand.“ Die Herausforderung für die Regie besteht darin, das Stück nicht statisch werden zu lassen. Ich bin total gespannt, wie ihr das auf der Bühne umsetzen werdet.
Daran anknüpfend: Ist das Stück, dem ja erstmal keine konkreten Handlungen folgen, schon Teil des Problems? Oder dieses Interview?
Einerseits ja, denn das Stück schlägt keine Antworten vor. Es entwirft weder neue Strategien des Protests noch hilft es dabei, den eigenen Alltag im Sinne einer Nachhaltigkeit umzugestalten. Andererseits sind diese konkreten Lösungen, glaube ich, auch nicht Aufgabe des Theaters. Die Klimakatastrophe ist für mich manchmal schwer auszuhalten. Ich hoffe, dass das Stück Menschen im Umgang mit diesem Nicht-Aushalten helfen kann.
DAS KLIMA (NO PRESSURE)
Uraufführung: 9. April | 19:30 Uhr
Probebühne
So schreibt Autorin und diesjährige Gastjurorin für das Leonhard-Frank-Stipendium Ulrike Syha in ihrer Laudatio. Fayer Koch wurde für die Spielzeit 2025/26 als Stipendiat:in für zeitgenössische Dramatik ausgewählt. Im Zuge dieses Stipendiums entstand Das Klima (no pressure), das am 9. April auf der Probebühne in der Regie von Albrecht Schroeder zur Uraufführung kommt. Dramaturgin Philine Bamberger hat Fayer Koch einige Fragen gestellt.
Wie kamst du gerade in Würzburg darauf, ein Stück zum Thema Klima und Klimakrise zu schreiben?
Zur Zeit, als ich das Stück geschrieben habe, hat mich die Perspektivlosigkeit der Klimagerechtigkeitsbewegung bewegt: Es gab Massenproteste von Fridays for Future, kollektive Aktionen des zivilen Ungehorsams von Ende Gelände und radikalere Aktionen von der Letzten Generation, aber keine dieser Aktionsformen hat es geschafft, wirklich etwas an der zerstörerischen Klimapolitik zu ändern. Ich habe in der Bewegung eine große Resignation wahrgenommen und auch eine Ideenlosigkeit – an welchen Aktivismus können wir noch glauben? Auf meinem ersten Spaziergang durch die Würzburger Innenstadt sind mir dann die Hochwassermarkierungen und die Flutschutztore aufgefallen. Ich hab mir überlegt: Was wäre, wenn der Meeresspiegel so weit gestiegen wäre, dass Würzburg am Meer liegt? Wie würde eine solche Situation unser Nachdenken über Aktivismus verändern? Wie könnte sich unser Verhältnis zur Natur entwickeln?
In deinem Stück treffen wir auf drei verschiedene Gruppen: Zwei CEOs, drei Aktivistinnen und eine vierköpfige Familie. Was unterscheidet die Gruppen voneinander?
Die Familie und die Aktivistinnen wollen einen Beitrag zur Lösung der Klimakrise leisten, haben aber Schwierigkeiten, sich selbst davon zu überzeugen, dass ihr Handeln mehr als nur Show ist. Sie glauben nicht mehr wirklich daran, einen positiven Beitrag leisten zu können, und machen sich gerade deshalb gegenseitig immer verzweifelter Mut. Bei den CEOs (die vielleicht als Einzige die Möglichkeit hätten, tatsächliche Veränderungen anzustoßen) ist die Nachhaltigkeit von vornherein nur Show. Trotzdem (oder gerade deswegen) haben sie am wenigsten Selbstzweifel.
Zentrales Thema in Das Klima (no pressure) ist das ewige Lamentieren über notwendige Konsequenzen und Maßnahmen zum Klimaschutz, ohne dass daraus Handlungen folgen. Wie spiegelt sich das in der Form deines Textes wieder?
Da es in dem Text stark um das Nicht-Handeln geht, gibt es auch im Text kaum handlungsorientierte Regieanweisungen. Stattdessen ersetzen die Figuren ihre Handlungen durch ein Sprechen über ihre Handlungen. Sie lachen nicht, sondern sagen: „Ich lache“, oder auch: „Ich mache etwas mit der Hand.“ Die Herausforderung für die Regie besteht darin, das Stück nicht statisch werden zu lassen. Ich bin total gespannt, wie ihr das auf der Bühne umsetzen werdet.
Daran anknüpfend: Ist das Stück, dem ja erstmal keine konkreten Handlungen folgen, schon Teil des Problems? Oder dieses Interview?
Einerseits ja, denn das Stück schlägt keine Antworten vor. Es entwirft weder neue Strategien des Protests noch hilft es dabei, den eigenen Alltag im Sinne einer Nachhaltigkeit umzugestalten. Andererseits sind diese konkreten Lösungen, glaube ich, auch nicht Aufgabe des Theaters. Die Klimakatastrophe ist für mich manchmal schwer auszuhalten. Ich hoffe, dass das Stück Menschen im Umgang mit diesem Nicht-Aushalten helfen kann.
DAS KLIMA (NO PRESSURE)
Uraufführung: 9. April | 19:30 Uhr
Probebühne
