Schauspiel

Was alle angeht

Das Schauspiel unseres Vier-Sparten-Hauses möchte alte und neue Geschichten so erzählen, dass sie berühren und unterhaltsam sind, in der Hoffnung, bei jeder Aufführung aufs Neue Anstoß für regen Diskurs und Austausch des Publikums zu liefern. Im besten Falle werden so Welten erfahrbar und können gegen die eigene Welt gehalten werden. Theater soll als der Ort der Gesellschaft erkennbar werden, wo für alle das verhandelt wird, was alle angeht.

Das Schauspielensemble umfasst je nach Spielzeit 14-18 Schauspieler*innen, größtenteils als feste Ensemblemitglieder, aber auch als wiederkehrende Gäste. Die Inszenierungen bieten eine Mischung aus Klassikern des Sprechtheaterrepertoires von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Die Auswahl von tragischen und welthaltigen Stoffen unseres kulturellen Erbes genauso wie von komischen Stücken ist dabei Prinzip. Auch werden Stücke der zeitgenössischen Dramatik zur deutschsprachigen Erst- oder Uraufführung gebracht. Daneben werden immer wieder Orte in der Stadt aufgesucht, um dort spezielle mit der Stadtgesellschaft verbundene Projekte szenisch zu realisieren.

Aktuelle Produktionen

Serge kauft für seine Wohnung ein neues Gemälde. Es zeigt weiße Querstreifen auf weißem Untergrund. Voller Stolz präsentiert er es seinen beiden besten Freunden. Doch die reagieren nicht wie erhofft...

In ihrem 1994 uraufgeführten und vielfach ausgezeichneten Stück „Kunst“ beleuchtet Yasmina Reza die besonderen Verwicklungen einer Männerfreundschaft. Wie hält eine Freundschaft einen unerwartet tiefgreifenden Konflikt aus?
Mit "Das Tagebuch der Anne Frank" präsentiert das Schauspiel ein Projekt im städtischen Raum; TEIL 1 besteht aus einem STADTSPAZIERGANG, Ein Audiowalk zum Erinnerungsort, in TEIL 2: DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK inszeniert Toomas Täht "Das Tagebuch der Anne Frank" in einer Monologfassung, in der Anouk Elias Anne Frank am "DenkOrt Deportationen" spielt - eine unmittelbare, emotional erfahrbare Theaterinszenierung am historischen Ort.
Während des Krieges gerät Julietta in die Hände von Soldaten, die sich an ihr vergehen wollen. Der Graf F…, ein feindlicher Offizier, befreit sie aus den Fängen der Männer und verhindert Schlimmeres. Gefeiert als Gentleman und Beschützer verlässt er mit den Truppen die Stadt. Julietta kann sich an nichts erinnern. Als deutlich wird, dass sie ein Kind erwartet, ist sie selbst zutiefst schockiert. Die Eltern verweisen sie des Hauses. In ihrer Verzweiflung und auf sich allein gestellt, bricht Julietta mit allen Konventionen und begibt sich aktiv auf die Suche nach dem Erzeuger. Am Ende entpuppt sich genau der Mann als Peiniger, von dem die Marquise es am wenigsten erwartet hätte.
Der Kaukasische Kreidekreis erzählt die Geschichte des Küchenmädchens Grusche, das sich in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges eines schutzlosen Kindes annimmt. Um ihr beider Leben zu retten gibt sie es als ihr eigenes aus. Als die leibliche Mutter nach Ende des Krieges den Jungen zurückverlangt, um durch ihn an das Erbe ihres Mannes zu kommen, geht der Fall vor Gericht. Der Prozess mündet in der berühmten Kreidekreisprobe, die die Mutterschaft klären soll.
In ihrem 2014 von der Zeitschrift Theater heute zum deutschsprachigen Stück des Jahres ausgezeichneten „Text für eine Person und mehrere Stimmen“ porträtiert Sibylle Berg liebevoll aber schonungslos das Leben drei junger Frauen in ihren Zwanzigern.

Da sind die Protagonistin und ihre beiden Freundinnen Gemma und Minna. Früher fühlten sie sich als brutale Mädchengang mit Hoodies und Baseballschlägern dem Leben überlegen. Heute wohnen die drei zusammen in einer WG und benehmen sich größtenteils so, wie von der Gesellschaft erwartet. Bis auf die Sache mit dem Onlineverkauf von selbstgekochtem Viagra.
Boaz und Georges lernen sich eines Abends auf einer Dating-App für homosexuelle Männer kennen. Zwischen ihnen liegen nur 20 Kilometer – und die unüberwindbare Grenze zwischen Israel und dem Libanon. Aus der Suche nach einem sexuellen Abenteuer wird eine intensive Onlinebeziehung. Als die Sehnsucht zu groß wird, planen die beiden ein Treffen in Berlin – doch die politischen Konflikte finden ihren Weg nicht nur in die virtuellen Gespräche, sondern auch in ihre Lebensrealität…
Einst waren sie Frauen großer Diktatoren, namhafte Figuren der Weltpolitik. Doch diese Zeiten sind für Margot, Imelda und Leila vorbei. Offensichtliche Ähnlichkeiten mit den Damen Honecker, Marcos oder Ben Ali sind weder zufällig noch unbeabsichtigt. Längst schon winkt ihnen kein Volk mehr zu. Dennoch haben sie sich zu einer Pressekonferenz versammelt, denn ihr Leben soll verfilmt werden.
Wie ist es, als musikalisches Wunderkind aufzuwachsen? Maria Anna Walburga Ignatia Mozart, genannt Nannerl, liebt nichts auf der Welt mehr als zu musizieren und neue Melodien zu lernen. Ihr stolzer Vater fördert seine einzige Tochter jeden Tag, bis Nannerl ein Geschwisterchen bekommt: Wolfgang Amadeus. Nannerl ist begeistert von ihrem kleinen Bruder, der sie sehr bewundert. Vom ersten Tag an sind sie unzertrennlich. Am liebsten würde Nannerl den ganzen Tag damit verbringen, Wolfgang Amadeus auf dem Klavier oder der Violine vorzuspielen. Doch dann geschieht, was niemand für möglich gehalten hätte. Wolfgang Amadeus beginnt mit drei Jahren selbst virtuos Klavier zu spielen.
Herr Klamm, Lehrer im Leistungskurs Deutsch, wird eines Tages mit einem gemeinschaftlich geschriebenen Brief seiner Klasse konfrontiert. An der Schule gibt es Gerüchte, Klamm habe durch die strenge Benotung eines Schülers dessen Abitur verhindert und so seinen Suizid verursacht. Klamm geht in die Offensive und erzählt seine Version der Geschichte. Er fühlt sich in die Ecke gedrängt und verstrickt sich zunehmend im Klassenzimmer in Rechtfertigungen. Doch bald zieht der Kampf zwischen den Schülern und ihrem Lehrer immer weitere Kreise. Klamm beginnt, sich gegen den bevorstehenden Krieg zu rüsten, bis die Situation eskaliert.

Leonhard-Frank-Stipendium

Seit 2018 gibt es mit dem Leonhard-Frank-Stipendium zur Förderung zeitgenössischer Dramatik eine nachhaltige Förderungsmöglichkeit für junge Theaterautor*innen, die in enger Zusammenarbeit mit der Dramaturgie des Mainfranken Theaters einen Theatertext entwickeln können.
Das Stipendium
Seit der Spielzeit 2017/18 vergibt der Theater- und Orchesterförderverein des Mainfranken Theaters jährlich das Leonhard-Frank-Stipendium in Höhe von 6.000 Euro. Die Auszahlung erfolgt in 12 Beträgen à 500 Euro, die monatlich ausgezahlt werden.
Ziel ist es, Autor*Innen über ein Jahr finanziell und ideell zu fördern. In enger Zusammenarbeit und im Austausch mit den Künstler*Innen des Vierspartenhauses kann ein zeitgenössischer Theatertext entstehen.

Wer kann sich bewerben?
  • Student*innen der Fachrichtungen Szenisches Schreiben, Kreatives Schreiben, Kulturjournalismus oder eines vergleichbaren Studienganges
  • Künstler*innen mit einem abgeschlossenen Studium der oben genannten Fachrichtungen
  • Künstler*innen, die einer nachweislich professionellen Tätigkeit im Bereich des Kulturjournalismus oder am Theater nachgehen

Die Wahl der Stipendiat*Innen erfolgt durch die Intendanz und die Dramaturg*Innen der Sparte Schauspiel.
Die Frist für die Einreichung für das Jahr 2022 war der 20. Januar.

Die Bewerbungsfrist für 2023 wird bald an dieser Stelle bekanntgegeben.

Bewerbungen (Lebenslauf, Arbeitsproben sowie ein veritables Empfehlungsschreiben) können per Mail (pdf, max. 5MB) oder postalisch eingereicht werden unter:
Mainfranken Theater
Abteilung Schauspieldramaturgie
Theaterstr. 21
97070 Würzburg

oder
Stipendiatin 2022: Wibke Charlotte Gneuß
Stipendiatin Wibke Charlotte Gneuß | Foto: Jens Lamprecht
Wibke Charlotte Gneuß, 1992 geboren, studierte Soziale Arbeit in Dresden und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, bevor sie als Gaststudierende zur Universität der Künste Berlin kam. Als Sozialarbeiterin war sie in einer Kindertagesstätte, bei einem Gefangenenmagazin der JVA Leipzig/Torgau und in verschiedenen Perfomanceprojekten mit unbegleiteten, minderjährigen Gefl üchteten tätig. Außerdem ist sie Teil der Perfomance-Gruppe um den Perfomance-Künstler Tino Sehgal. Wibke Charlotte Gneuß veröffentlicht zahlreiche Texte in Magazinen und Anthologien. Im Jahr 2022 ist sie erneut für den Preis der Jungen Dramatik nominiert. 2021 erhielt sie ein Aufenthaltsstipendium im Mare Künstlerhaus, das durch die Roger Willemsen Stiftung Hamburg gefördert wird.
Stipendiatin 2021: Lena Reißner
Lena Reißner. Foto: Julian Dieterich
Lena Reißner wurde 1995 geboren und wuchs in Paris, Olpe und am Zürichsee auf. Sie studierte Theaterwissenschaft und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der University of Glasgow und der Freien Universität Berlin. Parallel assistierte sie an verschiedenen Theatern und Festivals, wie der Schaubühne Berlin, dem Maxim Gorki Theater und der Ruhrtriennale. Seit 2018 studiert sie im 15. Jahrgang für Szenisches Schreiben an der Universität der Künste. Ihre Texte wurden am Schauspiel Leipzig, der Volksbühne Berlin und dem bat-Studiotheater präsentiert. Im April 2021 feiert ihre Szene „Mädchen im Wald“ am Theater Koblenz Premiere. Gemeinsam mit Rosa Rieck und Katharina Kern arbeitet sie als DIEZEN kollektiv an Theatertexten und Inszenierungen in Berlin.
Stipendiat 2020: Dorian Brunz
Dorian Brunz. Foto: Kimi Palme
Dorian Brunz wurde 1993 in Berlin geboren. Er studiert Geschichte und Literatur an der Humboldt-Universität Berlin und Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Sein Stück „Dumbo oder vielleicht einer der letzten schönen Tage des Jahres“ kam im Sommer 2019 am Theater Koblenz zur Uraufführung. Mit seinem ersten Bühnenstück „Das Kind malt“ war er 2018 beim Interplay Europe Festival in Liepaja, Lettland vertreten. Weitere Arbeiten wurden als Werkstattinszenierungen in der Box des Deutschen Theaters Berlin, am Hans-Otto-Theater Potsdam und am Bat-Studiotheater gezeigt.  Sein Stück „beach house“ ist zu den Autorentheatertagen 2020 eingeladen und wird im Rahmen der Langen Nacht der Autor_innen im Juni 2020 am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt.
Stipendiatin 2019: Fabienne Dür
Fabienne Dür wurde 1993 in Berlin geboren. Nach dem Abitur studierte sie Theaterwissenschaft und Deutsche Philologie an der Freien Universität Berlin und assistierte parallel an verschiedenen Theatern. Seit 2016 studiert sie szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Ihre Texte wurden am Theater an der Parkaue, am Theater Koblenz und im Rahmen des 4+1 Festivals am Schauspiel Leipzig gelesen. Ihr erstes Theaterstück „Leben im Vakuum“ wird im Juni 2019 am Theater Koblenz uraufgeführt. Im November 2018 erhielt Dür den Sonderpreis des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Stipendiat 2018: Gerasimos Bekas
Gerasimos Bekas wurde 1987 geboren und wuchs in der Nähe von Würzburg auf. Er studierte Politikwissenschaft in Würzburg und Bamberg. Zurzeit lebt er als Autor und Dramatiker in Athen und Berlin. Mit "G for Gademis" stand er 2015 selbst auf der Experimentalbühne des Griechischen Nationaltheaters. Im März 2018 wurde sein Stück "Karagiozis bei den Thermopylen" im Studio des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin uraufgeführt. Im November 2018 erscheint sein erster Roman "Alle Guten waren tot" bei Rowohlt.