Schauspiel

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Was alle angeht

Das Schauspiel unseres Vier-Sparten-Hauses möchte alte und neue Geschichten so erzählen, dass sie berühren und unterhaltsam sind, in der Hoffnung, bei jeder Aufführung aufs Neue Anstoß für regen Diskurs und Austausch des Publikums zu liefern. Im besten Falle werden so Welten erfahrbar und können gegen die eigene Welt gehalten werden. Theater soll als der Ort der Gesellschaft erkennbar werden, wo für alle das verhandelt wird, was alle angeht.

Das Schauspielensemble umfasst je nach Spielzeit 14-18 Schauspieler*innen, größtenteils als feste Ensemblemitglieder, aber auch als wiederkehrende Gäste. Im Großen Haus bieten die Inszenierungen eine Mischung aus Klassikern des Sprechtheaterrepertoires von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Die Auswahl von tragischen und welthaltigen Stoffen unseres kulturellen Erbes genauso wie von komischen Stücken ist dabei Prinzip. In der kleineren Spielstätte, der Kammer mit Blackbox-Charme, werden vor allem Stücke der zeitgenössischen Dramatik zur deutschsprachigen Erst- oder Uraufführung gebracht. Neben diesen beiden Spielstätten werden immer wieder Orte in der Stadt aufgesucht, um dort spezielle mit der Stadtgesellschaft verbundene Projekte szenisch zu realisieren.

Aktuelle Produktionen

Thomas sieht Dinge, die sonst niemand sieht. Er weiß nicht, wie das kommt, aber es ist schon immer so gewesen. Er sieht zum Beispiel tropische Fische in den Grachten schwimmen, die Schönheit von Elisa mit ihrem Bein aus Leder und sogar Herrn Jesus, der Thomas anbietet, ihn beim Vornamen zu nennen. All diese Dinge schreibt Thomas in ein Heft. 
Kaum ein zweites Datum des Kalenderjahres ist in der Stadt Würzburg und Umgebung so bekannt und belastet wie der 16. März 1945. Kurz vor Kriegsende wird in gut zwanzig Minuten die dicht bebaute, über Jahrhunderte gewachsene Altstadt durch die Bomberflieger der Royal Air Force flächendeckend vernichtet. Was bleibt heute? Das Rechercheprojekt in der Regie von Tjark Bernau untersucht die Auswirkungen des 16. März auf die Identitätsbildung der Stadt Würzburg.
Ein junger tiroler Gebirgsjäger soll an der bayrischen Grenze ein Schmugglerpaar überführen. Seine Taktik: Er will die Frau umgarnen und so Beweise für ihr kriminelles Treiben sammeln. Auch der Mann ermutigt seine Ehefrau, auf die Avancen  einzugehen. Doch die List des einen und der Plan des anderen scheitern an der Anziehung zwischen Jäger und Frau. 
Die Autorin Teresa Dopler verwebt mit Unsere blauen Augen auf feinsinnige Weise die Sehnsüchte von Daheimgebliebenen und Geflüchteten. Sie verschränkt die Enge der ländlichen Idylle mit der Realität weit Gereister. 
Mit Friedrich Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame wartet das Mainfranken Theater mit einem Klassiker der Theaterliteratur auf. Claire Zachanassian kehrt als Multimillionärin in ihre verarmte Heimstadt zurück und will mit einem unmoralischen Angebot Rache üben.
In  Patricks Trick erzählt Kristo Sagor die Geschichte des elfjährigen Patrick. Dieser erfährt, dass sein ungeborener Bruder vielleicht niemals lernen wird, zu sprechen. Mit diesem Problem wendet er Patrick sich an verschiedene Menschen und lernt dabei nicht nur über sich und seinen Platz in der Welt, sondern hat auch eine Idee wie er seinem Bruder helfen könnte.

Leonhard-Frank-Stipendium

Seit 2018 gibt es mit dem Leonhard-Frank-Stipendium zur Förderung zeitgenössischer Dramatik eine nachhaltige Förderungsmöglichkeit für junge Theaterautor*innen, die in enger Zusammenarbeit mit der Dramaturgie des Mainfranken Theaters einen Theatertext entwickeln können.
Stipendiatin 2019: Fabienne Dür
Fabienne Dür wurde 1993 in Berlin geboren. Nach dem Abitur studierte sie Theaterwissenschaft und Deutsche Philologie an der Freien Universität Berlin und assistierte parallel an verschiedenen Theatern. Seit 2016 studiert sie szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Ihre Texte wurden am Theater an der Parkaue, am Theater Koblenz und im Rahmen des 4+1 Festivals am Schauspiel Leipzig gelesen. Ihr erstes Theaterstück „Leben im Vakuum“ wird im Juni 2019 am Theater Koblenz uraufgeführt. Im November 2018 erhielt Dür den Sonderpreis des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Stipendiat 2018: Gerasimos Bekas
Gerasimos Bekas wurde 1987 geboren und wuchs in der Nähe von Würzburg auf. Er studierte Politikwissenschaft in Würzburg und Bamberg. Zurzeit lebt er als Autor und Dramatiker in Athen und Berlin. Mit "G for Gademis" stand er 2015 selbst auf der Experimentalbühne des Griechischen Nationaltheaters. Im März 2018 wurde sein Stück "Karagiozis bei den Thermopylen" im Studio des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin uraufgeführt. Im November 2018 erscheint sein erster Roman "Alle Guten waren tot" bei Rowohlt.