GROSSE GEFÜHLE UND EIN MAGISCHER LIEBESTRANK

Regisseur Nick Lieberknecht bringt die Kinderoper Adina und Nemorino auf die Probebühne
Was berührt den Kern dieser In­szenierung – und was macht den Liebestrank gerade für ein junges Publikum heute so ansprechend?
Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es im Liebestrank um ur-menschliche Gefühle: Verliebtsein, Eifersucht, Be­gehren und das Verlangen, gesehen und wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus zeigt uns das Stück interessante psychologische Phänomene beim Zu­sammenkommen von Menschen un­terschiedlicher sozialer Herkunft. Ihre Annäherung geht mit dem Überwinden von Vorurteilen und dem Überschreiten eigener Wohlfühlzonen einher. All das ist auch heute noch aktuell – und neben der wunderschönen Musik ein guter Grund, sich mit diesem Klassiker zu be­schäftigen, auf dem auch unsere Kinderoper Adina und Nemorino basiert.

Wie lässt sich eine große Belcanto-Oper für Kinder erzählen, ohne ihr Geheimnis, ihr Tempo und ihre musikalische Tiefe zu verlieren?
Wir haben mit Adina und Nemorino eine eigenständige Fassung erarbeitet, die auf Donizettis Oper Der Liebestrank zurück­geht, sich aber ganz bewusst auf Adina, Nemorino und Dulcamara konzentriert. Dadurch rücken wir die Geschichte stärker in den Mittelpunkt eines Paares und können ihre Entwicklung sehr klar erzählen. Das Erzähltempo war dabei zentral: Die Seh- und Hörgewohnheiten der Kinder entsprechen nur selten de­nen der typischen Opernbesucher. Des­halb haben wir prägnante, gut nachvoll­ziehbare Szenen entwickelt, in denen im Dialog gesprochen wird und aus denen heraus wir in die bekannten Arien und Ensembles führen. Gesprochene Tex­te wechseln mit gesungenen Passagen oder gehen ineinander über. Die Dia­logtexte sind neu geschrieben und auf Kinder ab acht Jahren zugeschnitten.

Was kann ein Liebestrank auf der Bühne heute noch bewirken – und welche Rolle spielt der Glaube an ein vermeintliches Wundermittel?
Über unser Wundermittel möchte ich noch nicht so viel verraten. Eine Sorge kann ich aber nehmen: Alkohol wird unser Dulcamara nicht verkaufen. Und: Wir werden den Liebestrank wirklich magisch in Szene setzen!

Wie begegnen uns Adina und Nemorino in dieser Fassung – als Figuren, die Kindern nah sind und doch aus Donizettis Welt kommen?
Adina ist ein selbstbewusstes, vielleicht manchmal freches junges Mädchen, das im Laufe des Stückes merkt, dass mehr hinter Menschen stecken kann, als der erste Eindruck vermuten lässt. Nemo­rino ist schüchtern, verträumt und zu­nächst ganz zufrieden mit sich allein. In der Begegnung mit Adina spürt er eine große Veränderung und begreift Schritt für Schritt, dass er aus seiner Komfort­zone ausbrechen und selbst aktiv wer­den muss – während Adina allmählich ihre Vorurteile ablegt.

Wie klingt Adina und Nemorino in dieser neuen Fassung, und welche Farben gewinnt Donizettis Musik in der kleinen Besetzung?
Unsere Solorepetitorin Silvia Vassallo Paleologo hat in den letzten Monaten ein wunderbares Arrangement für Kla­vier, Flöte und Cello geschrieben. So ermöglichen wir den Kindern die Hörer­fahrung eines kleinen, aber sehr farben­reichen Orchesters. Uns war dabei be­sonders wichtig, dass die musikalische Struktur eng mit der Dramaturgie und den Situationen der Szenen verbunden ist, sodass Musik und Handlung ganz selbstverständlich ineinandergreifen.

Was macht Dulcamara, diesen Wunderdoktor und Verführer, in dieser Inszenierung so reizvoll?
Wir bedienen uns beim Wunderdoktor durchaus der Magie und Zauberei, die die Kunstform Theater erlaubt. Gleich­zeitig zeigen wir aber auch, dass das eigene Handeln und der Mut, Dinge zu hinterfragen, oft die besseren Ratgeber sind als ein vermeintlicher Zaubertrank.

Was soll von Adina und Nemorino im besten Fall nachklingen – bei Kindern ebenso wie bei den Er­wachsenen?
Es wäre schön, wenn jede Zuschauerin und jeder Zuschauer etwas mitnimmt, das bewegt, zum Nachdenken oder auch zum Schmunzeln anregt – und vielleicht sogar Lust macht, im Internet nicht nur Reels, sondern auch einmal eine Arie von Adina, Nemorino oder Dulcamara zu entdecken.
Nick Lieberknecht | Foto: Nik Schölzel
Nick Lieberknecht stammt aus Braunschweig und ist seit Juli 2024 als Regieassistent und Abendspielleiter am Mainfran­ken Theater Würzburg engagiert. Nach seiner Ausbildung zum Er­zieher studierte er Theater- und Medienwissenschaften sowie All­gemeine Pädagogik. Stationen vor seinem Engagement in Würzburg führten ihn an das Landesthea­ter Coburg, zum Festival Oper Oder Spree sowie an das Gostner Hoftheater in Nürnberg. Darüber hinaus ist er als Regisseur in der freien Musiktheaterszene aktiv. Wichtige künstlerische Impulse erhielt er durch die Zusammenar­beit mit Regisseuren wie Dietrich W. Hilsdorf, Bernhard Loges und Peter Konwitschny.


PREMIERE ADINA UND NEMORINO ODER DER LIEBESTRANK
Samstag, 13. Juni | 17:00 Uhr
Probebühne