Magische Klangwelten

Das 6. Sinfoniekonzert am 25. und 26. Juni mit Werken von Sibelius, Nielsen und Kuhlau
Das letzte Sinfoniekonzert der Spielzeit wandelt auf den Spuren der skandinavischen Musik. Das Philharmonische Orchester Würzburg unter der Leitung von Generalmusikdirektor Mark Rohde widmet sich den großen Sinfonikern Nordeuropas. Neben Jean Sibelius’ 2. Sinfonie und Carl Nielsens funkensprühendem Flötenkonzert erklingt mit Friedrich Kuhlaus Elverhøj-Ouvertüre ein wahres Juwel nordischer Kunstmusik.

Wie klingt der Norden? Häufig wird die Musik der skandinavischen Länder mit der Natur und der nordischen Mythologie assoziiert. Sie erzählt Geschichten von übernatürlichen Wesen, von Elfen und Trollen, von nebelverhangenen Fjorden und Seen in der Abenddämmerung. Und welches Instrument eignet sich dafür passender als die Flöte! „Die Flöte kann ihrer eigenen Natur nicht widerstehen, ihre Heimat liegt in Arkadien, und sie bevorzugt ländliche Stimmungen. Daher muss der Komponist ihrer sanften Natur folgen, es sei denn, er möchte als Barbar gebrandmarkt werden.“ So beschrieb der Däne Carl Nielsen, einer der bedeutendsten skandinavischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, die Eigenschaften dieses Instruments, dem stets ein mystischer, magischer Charakter anheftet. Vor 100 Jahren entstand Nielsens Flötenkonzert, welches Katalin Kramarics, Soloflötistin des Gewandhausorchesters Leipzig, im Rahmen des Konzertes interpretiert. Das sich organisch entwickelnde Werk lebt von Gegensätzen und ihren Spannungen. So lässt Nielsen die vorwiegend heiterere Idylle plötzlich kippen und überrascht durch jähe Tonartenwechsel, rhythmische Verschiebungen und dissonante Harmonien. Nielsen schrieb über sein Flötenkonzert: „Hier ist in aller Kürze, was ich von jeder Kunst fordere – gegensätzliche Kräfte, die aufeinandertreffen und glühen, als eine Einheit erscheinen, aber zwei bleiben, sich umarmen und liebkosen wie plätscherndes Wasser über Kieselsteine, ohne sich jedoch jemals tatsächlich zu berühren und das zarte Zusammenspiel zu zerstören.“

MUSIK ALS SPIEGEL DER NATUR
Wie Nielsen zeichnet sich auch der finnische Komponist Jean Sibelius durch seine kühne, eigenwillige Handschrift aus, die fernab der großen Schulen und Strömungen ihren Weg in die Moderne fand. Gerade mit seiner Zweiten – der bis heute wohl meistgespielten und belieb- testen Sinfonie des Komponisten – gelang ihm ein wichtiger Schritt hin zu einer eigenständigen Sinfonik. Auch wenn die Sinfonie zum großen Teil in Italien entstand, wird sie doch mit ihren dunklen Klangfarben und elegischen, fließenden Melodien wie die meisten seiner Werke gern mit der nordischen Landschaft verbunden – mit dunklen Wäldern, Einsamkeit und Weite. Und in der Tat sind es offenbar die überall wirkenden Kräfte und Gesetze der Natur, die Sibelius beim Komponieren inspirierten. Eine Sinfonie müsse wie ein Fluss aus kleinen Bächen langsam entstehen, indem die Motive sich organisch formen und „den Weg suchen“, sagte er einmal. Aus einer einfachen Keimzelle von nur drei Tönen aufwärts entwickelte er ein großflächiges, organisches, musikalisches Gedankengeflecht. Der finnische Komponist Sulho Ranta berichtete nach der Uraufführung: „In dieser Sinfonie liegt – wenigstens für uns – etwas Schamanenhaftes, sie versetzt in Ekstase wie die Zaubertrommel.“

WENN ELFEN FESTE FEIERN
In die nordische Märchenwelt versetzt uns Friedrich Kuhlau mit seiner Ouvertüre zum Drama Elverhøj (deutsch: Elfenhügel). Während man Kuhlau – obwohl hierzulande geboren und aufgewachsen – in Deutschland kaum kennt, wird er in Dänemark als Wegbereiter der dänischen Musik gefeiert. Als Komponist am dänischen königlichen Hof schuf er im Auftrag des Königs die Musik zum Drama Elverhøj, die ihm nicht nur ein triumphalen Erfolg bescherte, sondern ihm den Ruf als dänischen Nationalkomponisten einbrachte. Bis heute ist Elverhøj tief im Nationalbewusstsein der Dänen verankert. Die Ouvertüre verbindet nicht nur romantische feenhafte Klangwelten mit feierlichem Charakter, sondern enthält auch eine Melodie, die zur neuen dänischen Königshymne „Kong Christian stod ved højen mast“ wurde.

KATALIN KRAMARICS ZU GAST MIT NIELSENS FLÖTENKONZERT
Die in Ungarn geborene Flötistin Katalin Kramarics begann ihre professionelle Orchesterlaufbahn 1999 mit einem Stipendium in der Orchesterakademie der Münchner Philharmoniker. Von 2001 bis 2002 war sie Solo-Flötistin der Prager Symphoniker (FOK). Seit 2002 ist sie Erste Solo- Flötistin des Gewandhausorchesters Leipzig und zugleich Mitglied des Gewandhaus-Bläserquintetts. Regel- mäßig ist sie als Solistin mit renommierten Ensembles zu erleben, darunter die MDR-Kammerphilharmonie, die Slowakische Philharmonie, die Prager Symphoniker sowie verschiedene Kammerorchester in Salzburg und Prag.

6. SINFONIEKONZERT
Donnerstag, 25. Juni | 20:00 Uhr
Freitag, 26. Juni | 20:00 Uhr
Großer Saal der Hochschule für Musik

Konzerteinführung mit Mark Rohde jeweils 19:15 Uhr im Großen Saal

Flöte: Katalin Kramarics
Philharmonisches Orchester Würzburg
Musikalische Leitung: Mark Rohde

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