Reizvolle Tiefen voller Leichtigkeit

Das 5. Sinfoniekonzert mit Werken von Nino Rota, Camille Saint-Saëns und Ludwig van Beethoven
Im 5. Sinfoniekonzert am 9. und 10. April widmet sich das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Gastdirigentin Yura Yang Nino Rotas verspieltem, hochvirtuosem Divertimento concertante für den selten als Soloinstrument zu erlebenden Kontrabass und Orchester.

Im Orchester ist er unverzichtbar, aber als Soloinstrument ziemlich unterschätzt: Der Kontrabass. Dieser steht nicht unbedingt im Rampenlicht, doch ist er als solistisches Instrument deutlich wendiger und vielseitiger, als man vielleicht im ersten Moment vermuten würde. Dies beweist wie kein anderer der Kontrabassist Dominik Wagner, der sein Instrument mit einer Leichtigkeit und Virtuosität beherrscht, die ihresgleichen sucht. Bereits als 20-Jähriger war er ECHO-KLASSIK-Preisträger und Stipendiat der Anne-Sophie-Mutter-Stiftung. Seitdem gehört er zu den führenden Stimmen seines Instruments, konzertierte mit namhaften Orchestern auf der ganzen Welt und wurde 2022 mit dem OPUS KLASSIK als Nachwuchskünstler des Jahres ausgezeichnet. Im 5. Sinfoniekonzert gibt er sein Debüt mit dem Philharmonischen Orchester Würzburg und hat dafür mit Nino Rotas Divertimento concertante für Kontrabass und Orchester eines der großen Paradestücke für sein Instrument im Gepäck. Ein Stück, das zeigt, welche technischen Möglichkeiten und Gefühlstiefe in dem als behäbig verschrienen Instrument stecken.

ABSOLUTES HIGHLIGHT IM KONTRABASS-REPERTOIRE

Dabei verdanken wir es einem Zufall, dass dieses Werk überhaupt existiert. Genauer gesagt verdanken wir es den dünnen Wänden des Konservatoriums „Niccolò Piccinni“ in Bari: Nino Rota, der hier damals Direktor des Instituts war, konnte den ständigen Übungen des Kontrabasslehrers Franco Petracci, der sein Büro unter ihm hatte, nicht entkommen. Für seinen Kollegen komponierte Rota den humorvollen Konzertsatz „Marcia“, in welchem er dessen tägliche Übungen einbaute. Daraus wurde schließlich ein ganzes Konzert, das Rota 1971 fertigstellte. Das Divertimento concertante vermittelt die heitere Eleganz der Divertimenti des 18. Jahrhunderts, während der Solo Kontrabass mit seinen konzertanten Passagen einen charakteristischen, farbigen Akzent setzt. Dabei hält der Komponist immer wieder unerwartete und augenzwinkernde Überraschungen bereit. Vom grotesk anmutenden Marsch, bei dem der Kontrabass durch sämtliche Register springt, über den lyrisch-sinnlichen dritten Satz bis zum überschäumenden fulminanten Abschluss – Nino Rotas Divertimento concertante zeigt, wie vielseitig der Kontrabass ist und deckt dazu Facetten des Instrumentes auf, die man im Konzertsaal für gewöhnlich nicht zu hören bekommt.

VON KLAPPERNDEN KNOCHEN UND TANZENDEN SKELETTEN

Der Abend hält dazu noch weitere Überraschungen bereit. Schon die ersten Akkorde lassen aufhorchen. War das etwa eine verstimmte Geige? Schon zu seiner Zeit versetzte der französische Komponist Camille Saint Saëns mit seinem schauerlichen Danse macabre das Publikum in Staunen und Entsetzen. Die ohrwurmträchtige Sinfonische Dichtung nach einem Gedicht von Henri Cazalis lässt um Mitternacht die Toten aus ihren Gräbern aufstehen und diese zum Violin-Spiel des Todes mit klappernden Knochen tanzen. Und auch in Ludwig van Beethovens abschließend erklingender 1. Sinfonie versteckt sich Unerwartetes: Bereits mit ihrem ersten Akkord – einem dissonanten Septakkord – lässt Beethovens 1. Sinfonie den Anspruch des Komponisten erkennen, die Gattung Sinfonie ganz neu zu denken.


ERSTMALS AM PULT DES PHILHARMONISCHEN ORCHESTERS WÜRZBURG: DIE DIRIGENTIN YURA YANG

Am Pult des Philharmonischen Orchesters ist erstmals die Dirigentin Yura Yang zu erleben. Yura Yang ist seit der Spielzeit 2024/25 Erste Kapellmeisterin an der Oper Leipzig und leitet dort in der aktuellen Spielzeit Wiederaufnahmen von Der fliegende Holländer, La traviata, Così fan tutte, Rigoletto, Norma, Die Zauberflöte und Roméo et Juliette. Zuvor war sie Kapellmeisterin am Staatstheater Karlsruhe und am Theater Kiel sowie Erste Kapellmeisterin und stellvertretende Generalmusikdirektorin am Theater Aachen. Sie studierte Dirigieren an der Hochschule für Musik Detmold (Bachelor 2013) sowie an der Hochschule für Musik und Theater München (Master 2021). 2016 wurde sie in das Forum Dirigieren des Deutschen Musikrates aufgenommen und 2019 in dessen Konzertförderung.

5. SINFONIEKONZERT
Donnerstag, 9. April | 20:00 Uhr
Freitag, 10. April | 20:00 Uhr
Großer Saal der Hochschule für Musik

Kontrabass: Dominik Wagner
Philharmonisches Orchester Würzburg
Musikalische Leitung: Yura Yang

Beitrag von