Drei Gegenwartsautorinnen widmen sich der deutschen Bürokratie

„Trilogie der Ämter" im Schauspiel am Mainfranken Theater
Bürokratie ist im öffentlichen Diskurs eine beliebte Zielscheibe, wenn es darum geht, Verantwortliche für politische Probleme ausfindig zu machen. Doch möglicherweise sind die vielgescholtenen Behörden für den Erhalt der Demokratie wichtiger, als man zunächst denkt. In drei neuen Stücken von drei Autorinnen beschäftigt sich das Mainfranken Theater in dieser Spielzeit mit Ämtern als Institutionen unserer Demokratie.

Mit Felicia Zellers Wirtschaftskomödie Der Fiskus (Regie: Sylvia Sobottka) eröffnete das Mainfranken Theater zu Spielzeitbeginn seine „Trilogie der Ämter“ im Kleinen Haus. Zellers Stück nimmt die alljährlichen Steuererklärungen der Bürger:innen zum Ausgangspunkt und entwickelt daraus eine humoristische Betrachtung der Beziehungen zwischen Amt und Individuum. Bekannt für ihren pointierten Blick auf Arbeitswelten und Verwaltungen, hat Zeller bereits 2018 begonnen, sich der „Wirtschaftsdramatik“ zuzuwenden – einem Feld, das zunehmend auch von anderen zeitgenössischen Autor:innen erkundet wird.

Mit Jeeps von Nora Abdel-Maksoud setzte das Schauspiel die Trilogie fort. Die 2021 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführte Komödie spielt im Jobcenter einer nahen Zukunft, in der Erbschaften per Losverfahren vergeben werden. Die Idee, die soziale Ungleichheit auf einen Schlag auszuhebeln, führt schnell zu Chaos und Machtspielen. Abdel-Maksoud, die für ihre gesellschaftskritischen Komödien bekannt ist, stellt hier Fragen nach Gerechtigkeit, Chancengleichheit und staatlicher Willkür. Seit dem 15. November ist Jeeps in der Inszenierung von Tim Egloff auf der Probebühne des Mainfranken Theaters zu sehen.

Den Abschluss der „Ämtertrilogie“ bildet die Uraufführung Das Rathaus – Liebe Leute, die am 7. Februar 2026 auf der Probebühne Premiere feiert. Das Stück, das im Würzburger Rathaus spielt, wurde im Rahmen des Leonhard- Frank-Stipendiums von der Leipziger Autorin Annika Henrich für das Mainfranken Theater geschrieben und fragt humorvoll und pointiert nach der (Un-)möglichkeit von gesellschaftlichem Zusammenhalt und dem Herz des Gemeinwesens. Regie führt Tamó Gvenetadze.