Fliegende Melodien, brodelnde Klänge

Werke von Brahms und Mussorgsky beim 3. Sinfoniekonzert
Im 3. Sinfoniekonzert unter der Leitung von Generalmusikdirektor Mark Rohde ist die Geigerin Naoka Aoki, Konzertmeisterin der Münchner Philharmoniker, mit Johannes Brahms‘ Violinkonzert zu Gast. Dazu stehen Modest Mussorgskys Bilder einer Ausstellung in der berühmten Orchestrierung von Maurice Ravel auf dem Programm.

Johannes Brahms ahnte nicht, dass sein einziges Violinkonzert einmal zu den Meilensteinen der Violinliteratur zählen sollte. Die Kritiken der Uraufführung im Jahr 1879 waren teilweise noch sehr verhalten: Der Solopart wurde als unspielbar kritisiert, und der Dirigent Hans von Bülow war der Ansicht, das Werk sei „gegen“ und nicht „für“ die Violine komponiert. Heute gehört das Konzert zu den bemerkenswertesten Beispielen der Gattung – nicht zuletzt aufgrund Brahms‘ Meisterschaft, das Soloinstrument im Rahmen einer großen sinfonischen Erzählung einzusetzen.

SPUREN DER KÄRNTNER SOMMERFRISCHE

Es war im Jahr 1877, als es Johannes Brahms zum ersten Mal nach Pörtschach am Wörthersee verschlagen hatte. „Hier ist es allerliebst, See, Wald, darüber blauer Bergebogen, schimmerndes Weiß im reinen Schnee.“ Diese Zeilen schrieb Brahms begeistert an Theodor Billroth. Pörtschach war für den Komponisten offenkundig ein anregendes Ambiente, denn: „Der Wörthersee“, so Brahms, „ist ein jungfräulicher Boden, da fliegen die Melodien, dass man sich hüten muss, keine zu treten“. Neben der zweiten Sinfonie und weiteren Werken war es das im Jahr 1877 entstandene Violinkonzert in D-Dur, das aus dieser inspirierten Grundstimmung heraus entstand, und in dem die Idylle der Kärntner Natur ihre Spuren hinterließ.

EIN MUSIKALISCHER RUNDGANG DURCH EINE GEMÄLDEGALERIE

Auch Brahms‘ Zeitgenosse, der um sechs Jahre jüngere Modest Mussorgsky, war sofort zu einer neuen Komposition inspiriert, als er eine Gedächtnisausstellung seines verstorbenen Freundes, den Maler und Architekten Viktor Hartmann, besuchte. In einem Brief an den Kritiker Vladimir Stassow berichtete Mussorgsky: „Die Klänge und Gedanken fliegen mir wie gebratene Tauben zu. Ich schlucke und schlucke und überesse mich geradezu daran. Es gelingt mir kaum, alles mit der erforderlichen Schnelligkeit zu Papier zu bringen.“ Aus diesem Ideenrausch heraus entstand sein Klavierzyklus Bilder einer Ausstellung. Zehn Bilder und Zeichnungen Hartmanns setzte Mussorgsky eindrucksvoll in Musik – vom quirligen „Ballett der unausgeschlüpften Küken“, dem „Ochsenkarren“, der schwerfällig polternd gezogen wird, über die düsteren „Katakomben“ bis zum majestätischen „Großen Tor von Kiew“. Richtigerfolgreich wurde das Werk erst in Maurice Ravels Bearbeitung für großes Orchester im Jahr 1922 – fast 50 Jahre nach Fertigstellung der ursprünglichen Klavierfassung.
Die Geigerin Naoka Aoki, Konzertmeisterin der Münchner Philharmoniker ist mit Johannes Brahms' Violinkonzert zu Gast. Foto: 井村重人
3. SINFONIEKONZERT Donnerstag, 22. Januar 2026 | 20:00 Uhr Freitag, 23. Januar 2026 | 20:00 Uhr Großer Saal der Hochschule für Musik

Violine: Naoka Aoki
Philharmonisches Orchester Würzburg
Musikalische Leitung: Mark Rohde

Aufgrund der großen Nachfrage findet die Konzerteinführung um 19:15 Uhr im Großen Saal statt

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