Das Schauspiel Das Rathaus - Liebe Leute kommt am 7. Februar auf der Probebühne zur Uraufführung. Dramaturg Tim Puls im Gespräch mit der Autorin, der Leonhard-Frank-Stipendiatin Annika Henrich.
Tim Puls (TP): Dein neues Stück spielt im Rathaus. Was macht Ämter, Wartezimmer, das Rathaus so interessant für Gegenwartsdramatik?
Annika Henrich (AH): Am Rathaus oder Bürgeramt gefällt mir, dass es ein Ort ist, den wir alle kennen und an den wir alle schonmal mussten, die erste lokale Anlaufstelle, wo wir in Kontakt mit dem Gemeinwesen treten. Darin liegt für mich viel Potential für das Aushandeln von Fragen zwischen dem Alltäglichen und Politischen: Wer bin ich? Was ist mein Platz in der Gesellschaft und welche Anlage muss ich dafür ausfüllen? Wartezimmer sind toll, weil es Orte sind, die man für eine Weile mit Fremden teilt, und ho_ t, so wenig Zeit wie möglich dort zu verbringen. Es ist praktisch gesehen ein Ort, an dem man gut Figuren zusammenbringen kann, die sich nicht kennen und überhaupt keine Lust darauf haben, sich kennenzulernen. Ich habe eine Art Ö_ entlichkeit im Kleinen gesucht. Und dann haben Wartezimmer natürlich auch einfach ihre ganz eigene Ästhetik und einen sehr speziellen, spröden Charme.
TP: Führen diese Räume zwangsläufi g zu Formen wie Komödie oder Satire?
AH: Das weiß ich nicht. Ich denke auch gar nicht so stark in Genrebegriffen, zumindest nicht beim Schreiben. Sicherlich spielen sich an solchen Orten auch Tragödien ab, die werden bestimmt auch erzählt, nur anders. Wahrscheinlich ist es aber dieses Bürokratische, Piefige, das Behörden oft ausstrahlen, das sie zu so einem beliebten satirischen Motiv macht. Für mich ergibt sich in meinem Text das Satirische gar nicht so sehr aus dem Amt, sondern mehr aus den Figuren, die hier zusammenkommen, ihren gutbürgerlichen Sehnsüchten und Abwegen.
Tim Puls (TP): Dein neues Stück spielt im Rathaus. Was macht Ämter, Wartezimmer, das Rathaus so interessant für Gegenwartsdramatik?
Annika Henrich (AH): Am Rathaus oder Bürgeramt gefällt mir, dass es ein Ort ist, den wir alle kennen und an den wir alle schonmal mussten, die erste lokale Anlaufstelle, wo wir in Kontakt mit dem Gemeinwesen treten. Darin liegt für mich viel Potential für das Aushandeln von Fragen zwischen dem Alltäglichen und Politischen: Wer bin ich? Was ist mein Platz in der Gesellschaft und welche Anlage muss ich dafür ausfüllen? Wartezimmer sind toll, weil es Orte sind, die man für eine Weile mit Fremden teilt, und ho_ t, so wenig Zeit wie möglich dort zu verbringen. Es ist praktisch gesehen ein Ort, an dem man gut Figuren zusammenbringen kann, die sich nicht kennen und überhaupt keine Lust darauf haben, sich kennenzulernen. Ich habe eine Art Ö_ entlichkeit im Kleinen gesucht. Und dann haben Wartezimmer natürlich auch einfach ihre ganz eigene Ästhetik und einen sehr speziellen, spröden Charme.
TP: Führen diese Räume zwangsläufi g zu Formen wie Komödie oder Satire?
AH: Das weiß ich nicht. Ich denke auch gar nicht so stark in Genrebegriffen, zumindest nicht beim Schreiben. Sicherlich spielen sich an solchen Orten auch Tragödien ab, die werden bestimmt auch erzählt, nur anders. Wahrscheinlich ist es aber dieses Bürokratische, Piefige, das Behörden oft ausstrahlen, das sie zu so einem beliebten satirischen Motiv macht. Für mich ergibt sich in meinem Text das Satirische gar nicht so sehr aus dem Amt, sondern mehr aus den Figuren, die hier zusammenkommen, ihren gutbürgerlichen Sehnsüchten und Abwegen.

Annika Henrich | Foto: Lukas Büsse
TP: Wie gehst du beim Schreiben vor? Gibt es von Anfang an ein zentrales Thema? Oder eher einzelne Ideen und Figuren?
AH: Es gibt meistens ein Motiv oder einen Ort, ein eher gefühltes als klar umrissenes Anliegen, mir schweben einzelne Figuren und ihre Anliegen vor – und dann fange ich erstmal an und schaue, wo mich das Schreiben hinführt. In diesem Fall war es die Figur, die im Stück „Die Frau mit dem Hund“ genannt wird. Sie ist mir vor vielleicht zwei Jahren auf dem Bürgeramt an meinem Wohnort begegnet. Mitten in den überfüllten Warteraum hinein hat sie von ihrer Einsamkeit gesprochen und drei Sätze gesagt, die ich mir sofort aufschreiben musste, die sind jetzt genauso im Stück. Später haben wir im Kontext des Stipendiums einige inhaltliche Gespräche geführt über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie den Rechtsruck. Ich habe das Buch „Triggerpunkte“ von Stellen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser gelesen und kam wieder zurück zu dem Motiv der Einsamkeit und ihren politischen Folgen, dieses gesellschaftliche Auseinanderdriften und nicht mehr zusammenkommen und sich nicht mehr verstehen. Dann gab es bei mir einfach eine Lust, einen Text zu schreiben, der aus diesen ganzen seltsam nichts sagenden und dennoch höchst aufgeladenen Floskeln besteht, die man überall so hört, und habe angefangen damit herumzuspielen. So kam ich ins Schreiben.
TP: Was bedeutet Gegenwart für dich und dein Schreiben?
AH: Ich bin Beobachterin der Gegenwart und gleichzeitig natürlich auch ihr Produkt. Mich interessiert beim Schreiben immer, etwas Gegenwärtiges einzufangen, das aber auch gleichzeitig etwas Allgemeinmenschliches erzählt. Wenn man zu tagesaktuell denkt, sind Themen natürlich schnell wieder überholt. Aber ich glaube, ich kann gar nicht anders, als mich mit dem zu beschäftigen, was gerade beschäftigt. Für mich ist das Schreiben doch sehr stark ein Antworten und ein Umgehen mit Gegenwart, ein Verarbeiten und Verhandeln. Aber nie als Argumentation, die etwas zeigen soll, sondern immer auf der Suche nach emotionalen Wahrheiten hinter den Vorgängen und nach Geschichten, die in der Gegenwart entstehen (könnten).
PREMIERE
Samstag, 7. Februar 2026 | 19:30 Uhr | Probebühne
Weitere Vorstellungen und Informationen unter mainfrankentheater.de/rathaus.
AH: Es gibt meistens ein Motiv oder einen Ort, ein eher gefühltes als klar umrissenes Anliegen, mir schweben einzelne Figuren und ihre Anliegen vor – und dann fange ich erstmal an und schaue, wo mich das Schreiben hinführt. In diesem Fall war es die Figur, die im Stück „Die Frau mit dem Hund“ genannt wird. Sie ist mir vor vielleicht zwei Jahren auf dem Bürgeramt an meinem Wohnort begegnet. Mitten in den überfüllten Warteraum hinein hat sie von ihrer Einsamkeit gesprochen und drei Sätze gesagt, die ich mir sofort aufschreiben musste, die sind jetzt genauso im Stück. Später haben wir im Kontext des Stipendiums einige inhaltliche Gespräche geführt über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie den Rechtsruck. Ich habe das Buch „Triggerpunkte“ von Stellen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser gelesen und kam wieder zurück zu dem Motiv der Einsamkeit und ihren politischen Folgen, dieses gesellschaftliche Auseinanderdriften und nicht mehr zusammenkommen und sich nicht mehr verstehen. Dann gab es bei mir einfach eine Lust, einen Text zu schreiben, der aus diesen ganzen seltsam nichts sagenden und dennoch höchst aufgeladenen Floskeln besteht, die man überall so hört, und habe angefangen damit herumzuspielen. So kam ich ins Schreiben.
TP: Was bedeutet Gegenwart für dich und dein Schreiben?
AH: Ich bin Beobachterin der Gegenwart und gleichzeitig natürlich auch ihr Produkt. Mich interessiert beim Schreiben immer, etwas Gegenwärtiges einzufangen, das aber auch gleichzeitig etwas Allgemeinmenschliches erzählt. Wenn man zu tagesaktuell denkt, sind Themen natürlich schnell wieder überholt. Aber ich glaube, ich kann gar nicht anders, als mich mit dem zu beschäftigen, was gerade beschäftigt. Für mich ist das Schreiben doch sehr stark ein Antworten und ein Umgehen mit Gegenwart, ein Verarbeiten und Verhandeln. Aber nie als Argumentation, die etwas zeigen soll, sondern immer auf der Suche nach emotionalen Wahrheiten hinter den Vorgängen und nach Geschichten, die in der Gegenwart entstehen (könnten).
PREMIERE
Samstag, 7. Februar 2026 | 19:30 Uhr | Probebühne
Weitere Vorstellungen und Informationen unter mainfrankentheater.de/rathaus.
