Interview mit Autorin Cornelia Boese

Wo ist Theatrine?

Die langjährige Souffleuse über ihr neuestes Kinderbuch
Cornelia Boese, langjährige Souffleuse am Mainfranken Theater, hat im Sommer ein neues Kinderbuch veröffentlicht! Wir haben sie gefragt, was sie inspiriert hat und noch viele weitere spannende Dinge erfahren.
Worum geht es in dem Buch?
Am Theater wird morgens ein Eilpaket abgegeben, auf dem „Für Theatrine!“ steht. Mattheo, der kleine Sohn des Pförtners, macht sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Unbekannten. Mit dem Paket auf der Schulter läuft er treppauf, treppab durch das große Opernhaus und lernt viele interessante Räume und Leute hinter den Kulissen kennen – am Ende findet er auch Theatrine.

Wie bist du auf die Idee gekommen, das Theater zum Thema des Buches zu machen?
Ein Bilderbuch soll bunt, lustig und spannend sein. Ich kenne keinen bunteren, lustigeren und spannenderen Ort als das Theater! Es ist mein Lieblingsplatz in dieser Stadt und da ich so lange dort gearbeitet habe, kenne ich auch viele Geheimnisse zwischen Orchestergraben und Schnürboden.

Erinnerst du dich noch an dein allererstes Theatererlebnis?
Als Kind war ich mit meinem Bruder und meiner Mutter im Würzburger Stadttheater im Weihnachtsstück „Der Zauberer von Oz“. Die Vorstellung hat mich so begeistert, dass ich mit meiner Oma noch einmal hineingehen und in einer Loge sitzen durfte.

Wie viel vom Mainfranken Theater steckt in deinem Buch? Und wie viel von Dir selbst?
Ganz viel! Das Würzburger Theater hat mich sehr geprägt, erst als Zuschauerin (als Teenie gewann ich bei einem Theaterfest den Wettbewerb um die „Beste Theaterbesucherin“) und später als Opernsouffleuse, Bühnenmusikerin, Kinderkonzertmoderatorin, Theaterführerin … In meinen Büchern für Erwachsene, z. B. den Souffleusen-Anekdoten „Ich bin der unsichtbare Herrscher einer magischen Welt“ oder dem Mozart-Opernführer „Mit einem Hilferuf beginnt’s“, war das Theater mehrfach mein Thema – nun wollte ich meine Theaterliebe auch den Kindern weitergeben.
Das Cover von Cornelias Kinderbuch, das im Gerstenberg Verlag erschienen ist.
Was hat Dir beim Schreiben des Buchs am meisten Spaß gemacht?
Das Buch ist in den Theaterferien auf einer Fahrradtour von Würzburg zum Bodensee entstanden. Ich habe mir jeden Tag beim Radeln ein Kapitel ausgedacht und abends aufgeschrieben. Als ich am See ankam, war auch die Geschichte fertig – das war eine doppelte Freude!

Wie war die Zusammenarbeit mit der Illustratorin Dorota Wünsch?
Dorota und unsere Verlagslektorin kamen im März 2020 zu einer Theaterführung zu mir nach Würzburg. Wir waren den ganzen Tag unterwegs in den vielen Werkstätten, auf und über und unter der Bühne und im Gespräch mit allen Leuten, die am Theater arbeiten. Dorota machte viele Fotos und durfte sich sogar als Theatermalerin versuchen. Am nächsten Tag wurde das Theater wegen Corona geschlossen. Wir waren so froh, dass wir unseren Rundgang noch geschafft hatten!

Denkst du, dass sich Theaterleute in dem Buch wiedererkennen werden?
Obwohl Dorota niemanden porträtiert oder karikiert hat, glauben sich lustigerweise sowohl in Würzburg als auch an „ihrem“ Theater in Saarbrücken immer wieder Menschen zu erkennen und rufen: „Das bin doch ich!“

Du arbeitest nun schon seit 16 Jahren nicht mehr als Souffleuse. Gibt es etwas, was du vermisst?
Ja, mein gemütliches Plätzchen im Souffleurkasten. Besonders in der Ouvertüre, wenn man so hautnah dabei ist, mit den Beinen über dem Orchester baumelt und den allerbesten Blick auf die Bühne hat. Im Zuschauerraum fühle ich mich immer wie auf der falschen Seite des Vorhangs …
Cornelia Boese an ihrem ehemaligen Arbeitsort. Im Hintergrund sind noch die alten Sessel des Großen Hauses zu sehen. | Foto: Wolf-Dietrich Weissbach
Auf was freust du dich am meisten, wenn du ins Theater gehst, um dir ein Stück oder eine Oper anzuschauen?
Auf den magischen Moment, wenn die tausend Lämpchen im Zuschauerraum ausgehen, der Saal ganz dunkel wird und das Stück beginnt …

Hast du eine Lieblingsoper?
„Hänsel und Gretel“ von Humperdinck. Ich finde die märchenhafte Waldstimmung in der Musik wunderschön.

Hattest du abgesehen von deinem Arbeitsplatz einen Lieblingsort im Theater (auch bei den Führungen)?
Im Theater ist es überall toll, jeden Tag woanders. In der Maske gibt es immer besonders viel zu bewundern! Weil Souffleusen ja selten geschminkt werden, durfte ich früher oft Model bei Maskenbildnerprüfungen sein. Es ist spannend, in einen Clown oder eine Hexe oder ein Fabeltier verwandelt zu werden.

Bist du schon gespannt auf das Neue Haus? Warum?
Natürlich! Ich kann es kaum erwarten, das Theater im neuen Gewand kennenzulernen. Wie lange wird es wohl dauern, bis ich mich dort wieder auskennen werde? Wird es mir so ergehen wie Mattheo mit seinem geheimnisvollen Paket? Ob es wohl irgendwo einen Geheimgang gibt?
Über Cornalia
Cornelia war von 1991 bis 2005 am Mainfranken Theater als Opernsouffleuse engagiert. Bei Praktika und Gastspielen hat sie viele Bühnen wie z. B. die Wiener Staatsoper, das Tiroler Landestheater und die Stockholmer Folkoperan kennengelernt. Inzwischen ist sie als freischaffende Dichterin tätig und gibt – wenn nicht gerade gebaut wird – Führungen für Groß und Klein hinter den Kulissen des Mainfranken Theaters Würzburg.
Mehr unter http://www.boesesouffleuse.de
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