Mischa Spoliansky

Rufen Sie Herrn Plim!

Kabarettoper
Dauer: ca. 75 Minuten, keine Pause
Premiere wird verschoben
Team
Musikalische Leitung: Gábor Hontvári
Bühnen- und Kostümbild: Feng Li
Dramaturgie: Berthold Warnecke
Besetzung
Daniel Fiolka (Der Warenhausbesitzer)
Hinrich Horn (Der Personalchef)
Mathew Habib (Herr Plim)
Silke Evers (Caroline (Walburga) von Recklitz)
Akiho Tsujii (Elida de Coty)
Kosma Ranuer (Ein Herr, Käufer)
Roberto Ortiz (Noch ein Käufer)
Scherhezada Cruz (Sekretärin)
Natalia Boldyrieva (Liftboy)
Veronica Brandhofer (Liftboy)
Philharmonisches Orchester Würzburg
„Ich bin außer mir, ich bin empört, es ist ein Skandal!“ Kaum zu beruhigen ist der Herr, der im Kaufhaus Wertheim mal so richtig Dampf ablässt. Die Geschäftsleitung ist ratlos: Wie mit den endlosen Kundenbeschwerden umgehen? Schnell scheint die Lösung gefunden: „Ein Angestellter muss es sein, der dem Publikum als schuldiger Teil gezeigt wird, den man tadeln kann vor der Kundschaft und hinauswerfen, so oft und so viel es verlangt wird“, so die präzise Arbeitsplatzbeschreibung durch den Personalchef. Mit Herrn Plim wird dieser Angestellte auch sogleich engagiert. Harte Bewährungsproben in Form von blass-blau geblümtem Nachtgeschirr, defekten Selbstbindern und Damenschlüpfern oder nur eines einfachen Knopfes warten von nun an auf den hauptberuflichen Sündenbock. Mal freudvoll, mal leidvoll, schließlich keck und renitent begegnet Herr Plim der illustren Kundenschar, angeführt von Caroline von Recknitz zu Recklitz und Elida de Coty ...

Das in der Berliner Kabarettszene der 1920er Jahre äußerst erfolgreiche Duo Mischa Spoliansky und Marcellus Schiffer schuf 1932 mit „Rufen Sie Herrn Plim!" eine liebevolle und temporeiche Parodie auf die bunte Welt der damals allerorts aus dem Boden schießenden Warenhäuser. Der ebenso witzig wie bissig ausgearbeitete Konflikt zwischen der Geschäftsführung und König Kunde zielt sowohl auf die neue soziale Gleichbehandlung aller Kaufhausgäste sowie auf die realen Dienstvorschriften des einstmals so berühmten Kaufhauses Wertheim ab.

Musikalisch changiert „Herr Plim" raffiniert zwischen den Stilen: von Oper und Operette über Anklänge an das Musical bis hin zu Revue und Schlager. Spoliansky und Schiffer bewegen sich mit ihrem Plim im Fahrwasser derselben bissig-ironischen Ästhetik jener Zeit, für die auch Namen wie Kurt Weill und Bertolt Brecht, der vom Pariser Dada beeinflusste Bohuslav Martinu oder Darius Milhaud mit seinen „Minutenopern“ stehen.